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Behind the Scenes im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk

Streng geheim!

16.03.2021

Warum Bettina Braunmüller Dokumente der Rüstungsindustrie aus den 1940er Jahren durchforstet

 

Kurz vor Weihnachten bekam das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk spontan aus einem privaten Nachlass Materialien zur Flenderwerft, einst einer der größten Arbeitgeber Lübecks, geschenkt. Es handelt sich hierbei um den Nachlass eines langjährigen Flenderaners, Jahrgang 1940. Er arbeitete von 1966 bis 2000 bei Flender in der Taklerei, also unter anderem bei der Herstellung von Stahlseilen, Anker und Ankerketten und hatte trotz dieser sehr schweren Arbeit die Zeit bei Flender in schöner Erinnerung.

 

Originaldokumente der Kriegsmarine
Unter seinen Erinnerungsstücken, die sich nun im Industriemuseum in Herrenwyk befinden, sind Kleidungsstücke ebenso wie persönliche Fotografien und Bauzeichnungen. Gerade letztere aus dem Bereich der Taklerei waren bis jetzt noch nicht im Bestand des Museums und sind somit eine tolle Erweiterung der Archivsammlung. Der Museumsleiterin Dr. Bettina Braunmüller haben es besonders die Originaldokumente, die sich unter den Ordnern befanden, angetan.

„Ich staunte nicht schlecht, als ich in einem Ordner Originaldokumente der Kriegsmarine-Bauaufsicht und der Bauaufsicht der Kriegsmarine für U-Boote aus den 1940er Jahren fand, ebenso wie den ein oder anderen Stempelabdruck mit der Aufschrift ‚Geheim‘ aus dieser Zeitperiode. Die Dokumente belegen die umfangreiche Rüstungsindustrie bei der damaligen Flender-Werke Aktiengesellschaft, über die wir bis jetzt kaum Unterlagen im Museum haben. Diese Schenkung ist also ein großer Glücksfall“.  

Starke Identifikation mit Flender
Aber auch der restliche Nachlass, der Fotos, Kleidungsstücke, Andenken und Akten enthält, ist bemerkenswert und zeigt, mit wie viel Hingabe die Flenderaner ihr Leben lang an diesem Betrieb hingen und mit wie viel Emotionen diese Erinnerungen verbunden sind. Er sagt viel über das Selbstverständnis des ehemaligen Besitzers aus, der sich offensichtlich sehr mit seiner Arbeit und der Werft identifizierte.

„Dies ist uns in unserer heutigen, stark fluktuierenden Arbeitswelt fremd, wo ständige Jobwechsel üblich sind und eine starke Identifikation mit dem Arbeitsplatz und der Firma nicht unbedingt oft vorkommt. Und es zeigt, dass sich hinter Industriegeschichte nicht nur Technik versteckt, sondern Menschen mit ihren ganz privaten Lebensgeschichten, die der Geschichte ein Gesicht geben.“, so Bettina Braunmüller. Die Aufarbeitung und Sichtung des Nachlasses wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Beziehung zwischen Menschen und Dingen
Bettina Braunmüller hat Ur- und Frühgeschichte, Volkskunde und Skandinavistik an der Universität Kiel studiert, wo sie auch direkt im Anschluss promovierte.
„Mich hat immer die Arbeit mit materieller Kultur fasziniert. Somit war die Kombination aus Archäologie und Volkskunde mit der Sachkulturforschung für mich eine optimale Verbindung. Diese Art der Forschung beschäftigt sich, grob gesagt, mit der Beziehung ‚zwischen Menschen und Dingen‘ im Allgemeinen und untersucht also Geschichte nicht in erster Linie anhand von Schriftquellen, sondern anhand ihrer materiellen Hinterlassenschaften und des jeweiligen Sachuniversums, das seine Zeit physisch widerspiegelt. Dieser Ansatz führt auch dazu, dass man sich in der Forschung viel mit Alltagskultur und Technikgeschichte beschäftigt, die in meinem Museum in Herrenwyk eine große Rolle spielen.“
Als es Bettina Braunmüller nach einigen Jahren in Oberbayern wieder in ihre norddeutsche Heimat zog, war sie daher als Leiterin des Industriemuseums Geschichtswerkstatt Herrenwyk prädestiniert. Seit 2017 leitet die das kleine, aber feine Museum im Lübecker Stadtteil Kücknitz.

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