Der Herkunft auf der Spur - Museumserwerbungen in der NS-Zeit

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Die gemeinsame Ausstellung des Museums Behnhaus Drägerhaus und des St. Annen-Museums „Der Herkunft auf der Spur – Museumserwerbungen in der NS-Zeit" wurde heute im Rahmen einer Pressekonferenz im Museumsquartier St. Annen vorgestellt. Die Eröffnung findet am Sonntag, 5. Mai, mit einem Grußwort der Senatorin für Kultur, Bildung, Jugend und Sport, Kathrin Weiher und einer Begrüßung von Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, statt. Die Ausstellung läuft in beiden Häusern bis zum 25. August. 

Woher stammen die Exponate in unseren Museen? Wie kamen sie in die Sammlung? Mit diesen Fragen nach der Herkunft beschäftigt sich die Provenienzforschung. Ein großes Forschungsfeld ist dabei der Zeitraum 1933 bis 1945, da während der Zeit des NS-Regimes unzählige Kulturgüter beispielsweise durch Beschlagnahme oder Zwangsverkauf entwendet wurden. Um dieses Unrecht aufzuarbeiten, verpflichteten sich insgesamt 44 Staaten, darunter auch Deutschland, durch die 1998 verabschiedete „Washingtoner Erklärung", NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut ausfindig zu machen und „faire und gerechte Lösungen" zur Rückgabe dieser Kulturgüter zu finden. 

Im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojektes, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, wurden auch die Sammlungen der Lübecker Museen untersucht. Alle Ankäufe, Schenkungen, Überweisungen und Tausche zwischen 1933 und 1945 wurden überprüft, um die Herkunft der Objekte zu ermitteln. 

„Die Information über die Herkunft eines Werkes zählt inzwischen zu den grundlegenden Hinweisen in unserer Sammlungspräsentation. Wenn die Angabe dann aber lautet‚ 1942 'im Kunsthandel erworben‘ wirft das Fragen nach der Rechtmäßigkeit des Erwerbs auf, die bislang unbeantwortet bleiben mussten. Der Klärung im Rahmen der Provenienzforschung nun schrittweise näher zu kommen, ist ein wichtiger Teil der Forschungsarbeit zur eigenen Sammlung," erklärt Dr. Alexander Bastek, Leiter des Museum Behnhaus Drägerhaus.

Die Kabinettausstellung an zwei Standorten, im Museum Behnhaus Drägerhaus und im St. Annen- Museum, präsentiert die bisherigen Forschungsergebnisse und zeigt, was die Provenienzforschung in ihrer bisweilen detektivischen Arbeitsweise leistet. 

„Provenienzforschung ist ein Thema, das die Museumswelt noch lange beschäftigen wird", sagt Steffi Grapenthin, Provenienzforscherin in den Lübecker Museen. 

Von Gotthardt Kuehls „Braudiele" über Silberlöffel und Tabaksteller bis hin zu Glasfragmenten reichte die rege Ankaufs- und Sammelpolitik des damaligen Museumsdirektors Hans Schröder. Er leitete die Museen für Kunst und Kulturgeschichte von 1933 bis 1946 und kaufte im gesamten Deutschen Reich bis nach Wien für die Lübecker Museen ein. Nach der für die Lübecker Museen verheerenden Palmarum-Nacht im März 1942 erhielt er eine hohe Entschädigungssumme, mit der er in den besetzten Niederlanden und in Belgien zum Ausgleich der Verluste niederländische Gemälde und Möbel einkaufte. Die Suche nach unrechtmäßig erworbenen Objekten aus seiner Amtszeit und deren Erforschung bietet auch interessante Einblicke in die Lübecker Sammlungs- und Museumsgeschichte der NS-Zeit. 

„Museen sind öffentliche Institutionen; so halte ich es für grundlegend, schwierige Sachverhalte aufzuklären und offen damit umzugehen", betont Dr. Dagmar Täube, Leiterin des St. Annen-Museums. 

Die Ausstellung ist hausübergreifend im Museum Behnhaus Drägerhaus und im St. Annen-Museum zu sehen. Auch in den Dauerausstellungen der beiden Häuser befinden sich Objekte, die im Rahmen des Projekts untersucht wurden. Sie sind mit zusätzlichen Objektschildern gekennzeichnet, die Aufschluss über die Herkunft und den Erwerb geben. 

Begleitprogramm: 

Eröffnung | So | 5.5. | 11 Uhr 
Museum Behnhaus Drägerhaus, Königstr. 9-11 | 7 / 3,50 €
Begrüßung: Kathrin Weiher (Senatorin für Kultur, Bildung, Jugend und Sport und Stellvertretende Erste Bürgermeisterin der Hansestadt Lübeck,)
Grußwort: Karin Prien (Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein)
Einführung: Steffi Grapenthin (Provenienzforscherin)
Dr. Alexander Bastek (Leiter Museum Behnhaus Drägerhaus)
Dr. Bettina Zöller-Stock (Wissenschaftliche Mitarbeiterin St. Annen-Museum)
umrahmt von den Lubeca Klezzmers
anschließend Empfang im St. Annen-Museum und Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung

Mittagsführungen im Museum Behnhaus Drägerhaus 
SA | 1.6. | 15.6. | 29.6. | 13.7. | 27.7. | 10.8. | 11.30 -12.30 Uhr | 4 EUR zzgl. Eintritt

Führungen im St. Annen-Museum
DO | 13.06. | 15.30 16.30 Uhr
SA | 15.06. | 15 -16.30 Uhr | MuseumsMomente
DO | 11.07. | 15.30 16.30 Uhr
SO | 21.07. | 15 -16 Uhr
SA | 17.08. | 15 -16.30 Uhr | MuseumsMomente
SO | 25.08. | 11-12 Uhr
SO | 25.08. | 15-16 Uhr
4 EUR zzgl. Eintritt

Tagung „Provenienzforschung in den Lübecker Museen. Erwerbungen 1933 bis 1945" 
DO | 16.5 BIS FR 17.5 im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL), Königstraße 42, 23552 Lübeck. Anmeldung unter steffi.grapenthin@luebeck.de
Keine Tagesgebühr
Programm unter www.die-luebecker-museen.de

Internationaler Museumstag
Sonderführung

SO | 19.5. | 10.15 Uhr | 4 EUR im Museum Behnhaus Drägerhaus
SO | 19.5. | 12 Uhr | 4 EUR im St. Annen-Museum

Individuelle Führungen
Buchung individueller Führungen im Museum Behnhaus Drägerhaus unter Tel. 0451 122 4148 oder behnhaus@luebeck.de
Buchung individueller Führungen im St. Annen-Museum unter Tel. 0451 122 4134 oder andre-a.schwarz@luebeck.de

Weitere Infos und Termine unter www. Museum-behnhaus-draegerhaus.de sowie unter www.st-annen-museum.de