• Gute Qualität muss wachsen

Neue Wanderausstellung im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk: Gute Qualität muss wachsen - Landleben in Schleswig-Holstein damals und heute

Laufzeit: 18. Februar bis 27. Mai 2018

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Pressemitteilung vom 15.02.2018
Landwirtschaft bedeutet noch immer harte Arbeit, manchmal sogar den Kampf um die Existenz. Das Thema Landwirtschaft beschäftigt den Künstler und Fotografen Rainer Wiedemann seit vielen Jahren: Insbesondere das Sterben der Bauernhöfe ist dem Besitzer eines Resthofs in Kronsforde ein Anliegen. So hat er früh begonnen, den Wandel in der Landwirtschaft in seiner unmittelbaren Umgebung fotografisch zu dokumentieren und in Ausstellungen und Publikationen zu verarbeiten. In der Wanderausstellung Gute Qualität muss wachsen – Landleben in Schleswig-Holstein damals und heute (Laufzeit: 18. Februar bis 27. Mai 2018) im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk präsentiert Rainer Wiedemann Tafeln mit Fotografien, darunter historische Aufnahmen und eigene Arbeiten, erläutert durch beigefügte Texte, in Begleittexten in Form von Heften und im einem gleichnamigen Buch. Diese erzählen die persönlichen Lebensgeschichten von 50 Landwirten aus dem Schleswig-Holsteinischen Raum – Ergebnisse einer 6-jährigen Recherchearbeit – und bilden so vielfältig und mit kritischem Blick technische, strukturelle und soziale Veränderungen in der Landwirtschaft ab. Rainer Wiedemann kuratiert diese Wanderausstellung selbst. 

Der Kunsterzieher und Künstler Rainer Wiedemann (geb. 1946) – als Maler, Zeichner, Foto-graf und Bildhauer tätig – ist in der Lübecker Kunstszene bereits seit den 1970er Jahren aktiv. Seit 1974 ist er Mitglied in der Gemeinschaft Lübecker Künstler e.V., leitete während zwei Amtsperioden die Gemeinschaft als 1. Vorsitzender und engagierte sich bis 2016 über viele Jahre im Arbeitsausschuss. Parallel arbeitete er als Kunsterzieher an Lübecker Gymnasien. „Als Realist beschäftige ich mich inhaltlich mit landwirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen und -kritischen Themen“, so Rainer Wiedemann zu seinem Interesse am Wandel in der Landwirtschaft. Seine Arbeiten veröffentlichte er in einer Dokumentation Kronsforde, 1996, und in den Büchern "Das lange Ende von Flender", 2010, und "Die letzte Klappe", 2011, die jeweils auch von Ausstellungen begleitet wurden. Beide letztgenannten Bücher beinhalten neben historischen Teilen eine große Anzahl von Interviews mit Politikern, Bürgern, Ingenieuren etc. und einen umfangreichen Bildanteil.

2011 begann die Arbeit an einem Buchprojekt, das die Lebensgeschichten von Bauern aus Schleswig-Holstein in Wort und Bild einfangen sollte. Für das Buchprojekt befragte Wiedemann 50 Bauern und in der Landwirtschaft tätige Personen und bebilderte deren Lebensberichte mit Fotografien. Es sind Geschichten von Landwirten aus ganz Schleswig-Holstein, etwa die Hälfte aus der näheren Umgebung von Lübeck. Nach einer 6-jährigen Arbeits- und Recherchephase konnte das Buch „Gute Qualität muss wachsen – Landleben in Schleswig-Holstein damals und heute“ 2017 im Wachholtz-Verlag veröffentlicht werden. Die Vielfalt der Fotos und die kritische Betrachtung des strukturellen und gesellschaftlichen Wandels in der Landwirtschaft führten dazu, dass Rainer Wiedemann zeitgleich eine gleichnamige Ausstellung in seiner Galerie eröffnete, um dem Materialumfang gerecht werden und das Buchprojekt durch eine kritische Betrachtung der landwirtschaftlichen Entwicklungen ergänzen zu können. Die Ausstellung Gute Qualität muss wachsen – Landleben in Schleswig-Holstein damals und heute ist nun als Wanderausstellung im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk zu sehen. „Wir freuen uns sehr, mit Herrn Wiedemann einen Künstler und Kurator gefunden zu haben, der in seiner Ausstellung kritisch und mit scharfem Blick die Entwicklungen in der Landwirtschaft abbildet, vermittelt und reflektiert“, so Helga Martens, 1. Vorsitzende des Vereins für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur e.V.

Die Ausstellung thematisiert viele der bekannten Veränderungen in der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft wie diverse Strukturwandel, Umwälzungen und technische Erneuerungen und deren oft problematische Folgen. Dabei werfen die Ausstellung und die begleitenden Texte einen Blick zurück: Dieser thematisiert auch die Zeit der Landwirt-schaftspolitik in den Kriegsjahren und Nachkriegsjahren inklusive der Situation vieler Flüchtlinge, die in Schleswig-Holstein aufgenommen werden mussten. Gleichzeitig werden auch aktuelle Themen – die Milchkrise, Massentierhaltung und die Hinwendung zur ökologischen Landwirtschaft – in Bildern und Texten aufgegriffen. Eine Vielzahl historischer Aufnahmen stammt aus den Alben und Sammelkisten von Landwirten. Alle weiteren Aufnahmen hat Rainer Wiedemann im Laufe der Jahre seit 1976 bis heute selbst angefertigt. „Die Ausstellung ist didaktisch konzipiert: Mit ihrem Bilderreichtum und wissenswerten Texten ist sie auch für Familien mit ihren Kindern, die in der Stadt wohnen, interessant und unterhaltsam“, so Rainer Wiedemann. Das umfangreich bebilderte, gleichnamige Buch „Gute Qualität muss wachsen“ flankiert und ergänzt die Ausstellung. Das Museum der vergessenen Arbeit in Steinhorst stellte Herrn Wiedemann eine Reihe historischer Geräte zur Verfügung, die als Objekte die Bild- und Textdarstellungen an den Wänden der Geschichtswerkstatt – greif- und anfassbar – positiv ergänzen.

Mehr Informationen zu Rainer Wiedemann, seinen Ausstellungen und Projekten erhalten Sie unter: http://www.rainer-wiedemann.de/index.html.

Die Ausstellung und das Buchprojekt wurde gefördert von der Friedrich Bluhme und Else Jebsen Stiftung, der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck, der Possehl-Stiftung, Posser XXL, der Reinhold-Jarchow-Stiftung, der Rose-Stiftung, der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft.

Rahmenprogramm zur Ausstellung:

Sonntag, 18.02.2018, um 11 Uhr
Vernissage
Nach einer Begrüßung durch Helga Martens, Vorsitzende des Fördervereins der Geschichtswerkstatt, führt Rainer Wiedemann in die Ausstellung ein. Dr. Hans Marten Paulsen (Thünen-Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst) spricht zum Thema ‚Ökologischer Landbau‘. Ein Vortrag des Gedichts „Leven von en Buur“ von Sönke Paulsen, gelesen von Paul Petersen, rundet die Eröffnung ab. Der Eintritt kostet 4 (ermäßigt 2) Euro und berechtigt zu einem weiteren, kostenfreien Eintritt in das Industriemuseum.

Mittwoch, 28.02.2018, um 19.30 Uhr
Konzert: „Schrille Idylle“ mit Klaus Irmscher
Der Sänger und Songschreiber Klaus Irmscher präsentiert einen Liederabend – tierisch-satirisch zwischen ländlich-bodenständig und bodenlos. Der Eintritt kostet 5 (ermäßigt 4) Euro.

Je sonntags, 18. März, 15. April, 6. Mai 2018, um 11 Uhr
Führung durch die Ausstellung mit Rainer Wiedemann
Der Eintritt kostet 4 (ermäßigt 2) Euro.

Sonntag, 13. Mai 2018, 11-16 Uhr
Internationaler Museumstag im Industriemuseum
Im Rahmen des Internationalen Museumstages können Kinder sich an zwei alten landwirt-schaftlichen Geräten ausprobieren: Zug- oder Klemmbank und Kartoffelschnitzel-Maschine. Der Eintritt ist frei.

Weitere Führungen, besonders für Gruppen und Schulklasse, können vereinbart werden. Anfragen können an Tel. 0451 74894 gerichtet werden.

Adresse
Kulturstiftung Hansestadt Lübeck
die LÜBECKER MUSEEN
Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk
Kokerstr. 1-3
23569 Lübeck

Öffnungszeiten
FR: 14 bis 17 Uhr
Sa-So: 10 bis 17 Uhr

Preise
Erwachsene: 4 Euro
Ermäßigte: 2 Euro
Kinder und Jugendliche (ab 6 J.): 2 Euro
Gruppenführung Erwachsene: 25 Euro zzgl. Eintritt pro Person
Gruppenführung im Klassenverband: 20 Euro zzgl. 1,50 Euro pro Person


Die Bilder sind unter Angabe der Copyrights zur Veröffentlichung im Rahmen der Berichterstattung zur Veranstaltung freigegeben:
Bild 1, 2, 3, 4, 5

1950, Landwirt G. Künzel auf dem Pferd
(c) privat
1960er jahre, Bäuerin vor den neuen Kühlfächern
(c) privat
Ende 1950er Jahre, Hans Untiedt auf seinem ersten Drescher
(c) privat
Hof in Bliestorf, 2017
(c) Rainer Wiedemann
Kartoffelroder, 2013
(c) Rainer Wiedemann