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Das Museumsjahr 2026

Unterwegs – dieses Motto prägt das kommende Jahr 2026 des Museumsverbunds der LÜBECKER MUSEEN. Das Motto steht für Bewegung: im Raum, zwischen Menschen, Orten und Kulturen. Zugleich verweist das Unterwegssein auf die ständige Veränderung, die unsere Welt prägt, und die Bedeutung des Austauschs – Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, neue Perspektiven einzunehmen.

Im Jahr 2026 begibt sich die Sammlung Kulturen der Welt auf eine Reise durch verschiedene geografische und kulturelle Räume. Mit der Ausstellung „Der Lübecker Divan – ein Reiseführer für die Seidenstraße“ widmet sie sich ab März 2026 im Museumsquartier St. Annen der historischen wie auch der aktuellen Bedeutung der Seidenstraße – dem globalen Wegenetz zwischen Europa, Asien und Afrika. Dieses weitläufige Gebiet ist geprägt von sprachlicher, kultureller und landschaftlicher Vielfalt: Auf den Routen bewegen sich nicht nur Menschen und Waren, sondern auch Religionen und technische Innovationen. Zugleich wird die Seidenstraße aber auch mit negativen Aspekten wie kriegerischen Auseinandersetzungen oder der Verbreitung von Seuchen zwischen Ost und West verbunden. Die Ausstellung macht diese inhaltliche Bandbreite auf besondere Weise erfahrbar: Das literarische Genre des Reiseführers und das Konzept des Divans aus der islamischen Literatur dienen als erzählerische Rahmungen, um die facettenreichen Geschichten der Exponate lebendig werden zu lassen.

Im November 2026 ist die Sammlung Kulturen der Welt gemeinsam mit dem Industriemuseum Herrenwyk mit der Ausstellung „Südkorea: zwischen Tradition und Hightech“ unterwegs. Im Gegensatz zu China und Japan findet Südkorea in der deutschen Wahrnehmung erst in letzter Zeit und insbesondere bei der jungen Generation Beachtung. Das Land ist geprägt von einer reichen kulturellen Tradition, einer tragischen Teilungsgeschichte als ehemalige japanische Kolonie und zugleich steht es mit global agierenden Unternehmen wie Samsung, Hyundai und LG für eine dynamische technologische Entwicklung. Die Ausstellung im Industriemuseum Herrenwyk zeigt das moderne Gesicht Südkoreas ebenso wie eine bedeutende Auswahl historischer Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände. Sie zeichnet ein umfassendes Bild des Landes – von Kolonial- und Teilungsgeschichte über K-Pop und koreanische Küche bis hin zur Entwicklung Südkoreas zu einer bedeutenden Industrienation.

Das Museum für Natur und Umwelt bietet ab März 2026 mit der Sonderausstellung „Bis auf die Knochen“ Einblicke in die Evolution, Anatomie, Physiologie sowie in die Prozesse beim „Versteinern“ von Knochen. Vorgestellt werden zahlreiche Objekte aus den naturwissenschaftlichen Sammlungen des Hauses, viele davon zum ersten Mal. Eines der Höhepunkte ist das größte Skelett des Museums: das Skelett eines Pottwals. Ergänzt wird die Präsentation durch ausgewählte, aus Knochen gefertigte Gegenstände aus der Sammlung Kulturen der Welt. Das Thema „Unterwegs“ wird dabei aus einer anderen Perspektive aufgegriffen. Biologisch betrachtet, benötigen Wirbeltiere ein stabiles und zugleich bewegliches Skelett, um unterwegs sein zu können. Am Beispiel von Flossen, Flügeln und Beinen werden die Anpassungen an verschiedene Fortbewegungsformen im Tierreich gezeigt. 

Ab Oktober 2026 kann das Museumspublikum mit der Ausstellung „Kristallmagie –Verborgener Zauber dunkler Turmaline“ in faszinierenden Kristallwelten unterwegs sein. Dunkle Turmaline speichern die Veränderungen ihrer Wachstumsumgebung als farbenprächtige Strukturen im Innern – verborgen, bis hauchdünne Schliffe sie sichtbar machen. Diese oftmals prächtigen Turmalinbilder erzählen in einer eigenen Bildsprache von typischen Ereignissen beim Werden und Vergehen der Kristalle. Hunderte hinterleuchtete Kristallschliffe, Turmalin Kristalle und Bilder eröffnen Blicke in eine geheimnisvolle und zauberhafte Welt und machen das Publikum zu Reisenden ins Universum der Mineralien.

Mit der Ausstellung „Helme Heine – Es war einmal …“ widmet sich das Günter Grass-Haus einem der bedeutendsten Bilderbuchkünstler der Gegenwart. Helme Heine war ein Leben lang unterwegs – geografisch wie künstlerisch: von Berlin über Afrika bis nach Neuseeland, von Bühnenbild und Regie bis zur international gefeierten Buchkunst. Die Ausstellung präsentiert neben den Illustrationen aus Helme Heines Bilderbuchklassikern wie den „Freunden“ vor allem aktuelle Arbeiten des Künstlers. Diese setzen sich mit feinem Humor mit den zentralen gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen unserer Zeit auseinander – darunter Klimawandel, Flucht und Migration, Geschlechtergerechtigkeit, Frieden und Demokratie. Anlässlich der Ausstellung werden erstmalig Werke Heines gezeigt, die speziell für das Günter Grass-Haus angefertigt wurden und auf Günter Grass und Lübeck Bezug nehmen. Seine Kunst erinnert uns auch nach seinem Tod daran, die Hoffnung nicht aufzugeben, sondern mit Mut, Haltung und Humor der Zukunft entgegenzutreten.

Nach der erfolgreichen Wiedereröffnung des Behnhauses im November 2025 begibt sich das Museum Behnhaus Drägerhaus im Juni 2026 mit der Ausstellung „Alfred Mahlau. Festzug zur 700-Jahrfeier der Reichsfreiheit 1926“ auf die Spuren des renommierten Lübecker Künstlers Alfred Mahlau. Das über fünf Jahrzehnte entstandene Werk Mahlaus nimmt aufgrund seiner stilistischen Vielfalt eine herausragende Stellung innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts ein. Mit seinen Entwürfen für die Firma Niederegger sowie mit seiner Typografie, der bekannten „Mahlau-Schrift“, prägte er das Erscheinungsbild der Stadt Lübeck bis heute. Zur 700-Jahrfeier der Reichsfreiheit gestaltete Mahlau den historischen Festzug von 1926, der Episoden aus der Lübecker Geschichte darstellte – jedoch künstlerisch und symbolisch aufbereitet. Studien, Zeichnungen, Fotografien und ein Film vermitteln ein lebendiges Bild des Festzugs, welches in der Ausstellung nun erstmals zusammenhängend präsentiert wird. Die Ausstellung beleuchtet, wie Mahlau 1926 Lübecks Geschichte und Gegenwart betrachtete und welche Bedeutung das damalige Selbstbild der Stadt sowie die festliche Inszenierung hatten, die in Film und Fotografie deutschlandweit Beachtung fanden.
Auch bautechnisch ist das Museum weiterhin unterwegs: Nach der abgeschlossenen Sanierung des Behnhauses folgt im Jahr 2026 der Beginn der Sanierungsarbeiten im Drägerhaus. Die vollständige Wiedereröffnung des Museum Behnhaus Drägerhaus ist für 2027 geplant.

Zum Jahresende rückt eine Ausstellung die Akademieklasse des international erfolgreichen Fotografen Andreas Gursky in den Mittelpunkt. Die Werke seiner Schüler:innen zeigen eine beeindruckende stilistische Vielfalt – von Malerei über Skulptur bis hin zu digitaler Kunst – und geben Einblick in die kommenden Generationen von Kunstschaffenden. Andreas Gursky gilt als einer der Pioniere der elektronischen Bildverarbeitung und gehört zu den weltweit bekanntesten Künstler:innen. In der Kunsthalle St. Annen kuratiert er die Ausstellung selbst mit und setzt auch einige eigene Arbeiten in Dialog mit den Werken seiner Schüler:innen.
Passend zum Jahresthema schärft die Kunsthalle zudem ihren Fokus auf Partizipation, Teilhabe und Öffnung. Ein breites Programm mit etablierten Formaten wie Rundgängen und Workshops, neuen Kooperationen sowie spannenden Beteiligungsprojekten lädt die Stadtgesellschaft ein, das kulturelle Leben in Lübeck aktiv mitzugestalten, um den musealen Raum zu öffnen.

Das St. Annen-Museum begibt sich 2026 etappenweise auf den Weg, die bestehenden Dauerausstellungen zu modernisieren. In den nächsten Jahren werden die Räume der Dauerausstellung schrittweise aktualisiert. Als Etappen für das Jahr 2026 sind die Erneuerung des Bereichs zur Musikgeschichte Lübecks und der Galerie niederländischer Gemälde vorgesehen. 
Ebenfalls wird 2026 ein neuer Ausstellungsraum für den Silberschatz des St. Annen-Museums eröffnet. Der Silberschatz der einstigen St. Annen-Kirche gilt als besonderes Highlight der umfangreichen, bedeutenden Sammlung von Goldschmiedearbeiten, die bislang größtenteils im Depot aufbewahrt wurde. 
Zudem wird die Präsentation des berühmten Danziger Paramentenschatzes, der seit 1990 als Dauerleihgabe der Evangelischen Kirche Deutschland zu den Highlights des St.-Annen-Museums zählt, aus konservatorischen Gründen aktualisiert. Im Dialog mit ausgewählten Objekten der Goldschmiede-, Schnitz-, Glas- und Malkunst eröffnet die Schau neue Perspektiven auf den Reichtum mittelalterlicher Kirchenkunst.