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Heinrich Mann, Porträtbüste von Edwin Scharff (1920), Copyright Margret Witzke

Tony Buddenbrook heißt ab sofort ihre Gäste im Behnhaus willkommen

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Endlich kann mit der Wiederöffnung der LÜBECKER MUSEEN seit dem 12. Mai auch die bereits Ende März fertig gestellte Ausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ der Öf-fentlichkeit präsentiert werden. Seit das Buddenbrookhaus nach seiner rauschenden Um-zugsparty am 28. und 29 Dezember 2019 seine Pforten in der Mengstraße 4 für den umfassenden Umbau schließen musste, wurde an der Interimsausstellung im Museum Behnhaus Drägerhaus gefeilt. Das Ergebnis wird nun bis zum Ende der Umbaumaßnahmen des Literaturhauses, die trotz Corona planmäßig verlaufen, also voraussichtlich bis Herbst 2023 zu sehen sein. „Wir freuen uns, nun endlich die Buddenbrooks an ihrem neuen Standort zu zeigen. Wer die Inhalte des Romans und das bürgerliche Leben der Manns in Lübeck darstellen will, der kann keinen besseren Ort als das Behnhaus finden. Hier gehen das großbürgerliche Wohnumfeld und die bedeutende Kunst des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne eine Symbiose ein wie kaum an einem Ort“, so der Leitende Direktor der LÜBECKER MUSEEN, Prof. Dr. Hans Wißkirchen. Zusammen mit Gabriela Schröder, Kaufmännische Direktorin des Museumsverbundes, dankt er den beiden Museumsleitern Dr. Birte Lipinski (Buddenbrookhaus) und Dr. Alexander Bastek (Museum Behnhaus Drägerhaus) für die sensible und herausragende Umsetzung der Interimsausstellung.

Durch diese führt Antonie „Tony“ Buddenbrook, Protagonistin aus Thomas Manns welt-berühmtem Roman „Buddenbrooks“. Diese Romanfigur schien zur Präsentation der Ausstellung aufgrund ihrer Lust am Erzählen, ihrer Begeisterungsfähigkeit für Neues sowie ihres Engagements für Familie und Stadt bestens geeignet. In einer Art „Homestory“ erzählt sie von den Romanen „Buddenbrooks“ und „Professor Unrat“, von den Schriftstellern Thomas und Heinrich Mann und vom bürgerlichen Leben im 19. Jahrhundert. Wie sah das Leben in Lübeck zu dieser Zeit aus, was bedeutete die Stadt für die Brüder und wie wurde sie Literatur? Tony lädt die Besucher:innen zu einer Zeitreise ins Lübeck der Buddenbrooks und der Manns ein. Dabei wird schnell klar, warum ausgerechnet das Museum Behnhaus Drägerhaus zur Kulisse für diese Interimsausstellung wurde: in den Räumen des klassizistischen Stadtpalais kann die Lebenswelt der Buddenbrooks authentisch erlebt werden. Tonys Anspruch an Vornehmheit wird dabei ebenfalls entsprochen. Bereits bei der Buddenbrooks-Neuverfilmung von Heinrich Breloer aus dem Jahre 2008 wurden einzelne Szenen im Behnhaus gedreht.

Dabei war dem Team des Buddenbrookhauses rund um Leiterin Dr. Birte Lipinski und Kuratorin Tatjana Dübbel besonders wichtig, die Interimsausstellung auch optisch in das Behnhaus zu integrieren, beispielsweise durch komplett verspiegelte Modul-Sockel, in denen sich das Behnhaus in den Buddenbrooks bzw. Manns widerspiegle. „Im Behnhaus als Kulisse wird Lübeck als Ort und »geistige Lebensform« sichtbar: das historische Lübeck mit seiner Kaufmannswelt, seiner Struktur als freier Stadt, mit seiner Architektur, der Lebenswelt seiner Bürger:innen und der Kunst und Literatur, die daraus entstanden sind. Hierin überschneiden sich die Geschichten der Schriftstellerbrüder Heinrich und Thomas Mann und ihrer Vorfahren mit der Geschichte des Behnhauses. Das gilt auch für die fiktionale Geschichte der Buddenbrooks und vieler weiterer Erzählungen und Romane von Thomas und Heinrich Mann, deren Handlung ganz oder teilweise im Lübeck des 19. Jahrhunderts spielt.“, so Birte Lipinski.

Die Ausstellung erstreckt sich über die historischen Wohnräume des Behnhauses im Erdge-schoss und beginnt in der Diele, wo aus der Perspektive Tony Buddenbrooks die Entste-hungsgeschichte des Romans erläutert und Bezüge zu realen Vorbildern der Romanfiguren und damit natürlich auch zur Familiengeschichte der Manns hergestellt werden. Neben der ehrerbietenden Familienbibel der Manns ist hier auch eine Tabakdose mit Darstellung einer Wintertroika ausgestellt, die vermutlich als Mitbringsel eines russischen Kunden im 19. Jahrhundert in den Mannschen Familienbesitz gekommen ist. Zuletzt befand sich die Tabakdose im Besitz von Lisa Dräger, die sie von der mit ihr befreundeten Ilse Mann geschenkt bekam. Als Leihgabe von Lisa Dräger wurde die Dose schon einmal in den frühen 1990er Jahren im Drägerhaus ausgestellt und ist damit nun gewissermaßen ins Haus „zurückgekehrt“.

Als weitere Kuriosität der Interimsausstellung gilt ein Fächer, der als Requisit in der Verfilmung von „Buddenbrooks“ 2008 von Jessica Schwarz als Tony Buddenbrook getragen wurde. Er ist mit einem Lübeck-Panorama gemalt und fasst so verschiedene, sich überlagernde Ebenen der Ausstellung zusammen: Fakt und Fiktion, Ortsgebundenheit und mediale „Emanzipation“ der Geschichte, Vergangenheit und ihre Übertragung in die Gegenwart.
Zu den Highlights der Ausstellung zählt außerdem ein Klingelzug aus dem 19. Jahrhundert, mit dem die Familie Mann nach den Dienstboten geläutet haben soll und der nun erstmals museal präsentiert wird. Mit seinen 2,22 Meter Länge und der reichen Wollstickerei mit Glasperlen ist er ein besonders schönes Exponat, das viel über das Leben im Lübecker Patriziat erzählt.

Für die Ausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ wurde eigens ein eGuide konzipiert, mit dessen Hilfe man sich per App kostenlos auf dem eigenen Smartphone auch in Corona-Zeiten sicher durch die Ausstellung führen lassen kann und dennoch nicht auf wertvolle Hintergrundinformationen zu verzichten braucht.

In Kürze eröffnet außerdem direkt zwischen Marienkirche und Rathaus unter dem Titel „Buddenbrooks am Markt“ ein Infocenter mit Museumsshop, in dem nicht nur Souvenirs des Buddenbrookhauses erstanden, sondern auch umfassende Informationen zum Stand des Umbaus des berühmten Literaturmuseums eingeholt werden können.