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Wiedereröffnung: Wiederbegegnungen im Behnhaus

„Von Caspar David Friedrich bis Edvard Munch“

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten öffnet das Lübecker Behnhaus ab dem 2. November 2025 wieder seine Türen. Die dreijährige Sanierung hat historische Bausubstanz bewahrt, den Brandschutz und Sicherheitsstandards modernisiert und das Maß der Barrierefreiheit deutlich erhöht. 

Das Museum präsentiert nun ein Zusammenspiel von Kunst, Architektur und moderner Museumstechnik. Die enge Verbindung zwischen regionaler Sammlungstradition und internationaler Bedeutung der Kunstwerke sowie die besondere Atmosphäre des ehemaligen Wohnhauses sind wieder neu erlebbar. Die thematische Neuordnung verknüpft die kunstvolle Gestaltung der historischen Räume mit den Motiven der ausgestellten Kunstwerke. Zeitgeschichte wird architektonisch und didaktisch veranschaulicht. 

Mit der Wiedereröffnung kehrt die Sammlung des Behnhauses in das Gebäude zurück, in dem ihre Museumsgeschichte 1921 begann. Das benachbarte Drägerhaus, der zweite Teil des Museums Behnhaus Drägerhaus, wird in den kommenden Jahren saniert. Die Wiedereröffnung des gesamten Museums Behnhaus Drägerhaus ist für 2027 geplant. 

 

 „Das Behnhaus ist mehr als ein Museum – es ist ein Spiegel Lübecks: seiner Kunst, seiner Geschichte und seiner Menschen. Dank des langjährigen Engagements von Bürger:innen, institutioneller Unterstützer und der Hansestadt Lübeck konnte dieses Haus erhalten und gepflegt werden. Die Verbindung aus architektonischem Erbe, Gemäldegalerie und historischen Räumen macht das Behnhaus zu einem einzigartigen Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Die Wiedereröffnung bedeutet nicht nur, dass die Türen wieder offenstehen, sondern dass Lübeck einen Ort kultureller Identität, gesellschaftlicher Teilhabe und gemeinschaftlicher Verantwortung zurückgewinnt.” 

Jan Lindenau, Bürgermeister der Hansestadt Lübeck 

 

Vom Wohnhaus zum Museum 

Der Lübecker Weinhändler Peter Hinrich Tesdorpf lässt 1783 das Behnhaus auf mittelalterlichen Fundamenten als klassizistisches Stadtpalais errichten. Der dänische Architekt Joseph Christian Lillie gestaltete die Innenräume. Tesdorpf verkaufte das Haus 1805 an Matthäus Rodde. Von 1823 bis 1920 bewohnte die Familie Behn das Haus in der Königstraße 9. Im Jahr 1920 erwarb die Stadt auf Initiative Carl Georg Heises, des Direktors des damaligen Museums für Kunst- und Kulturgeschichte, das Gebäude und bewahrte seine historische Substanz vor dem Umbau zur Bankfiliale. Mit Hilfe von Stifter:innen konnte das von den Erben Behns bereits an eine Bank veräußerte Haus zurückgekauft werden. Diese stellten die Bedingung das Gebäude der „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit“ zur Nutzung als Museum für neuere Kunst bereitzustellen. Nach einer ersten Ausstellung im Jahr 1921 und anschließenden Sanierungsarbeiten eröffnete am 22. April 1923 “Die Kunstsammlung im Behnschen Hause”. 

Das Museum wurde 1981 um das benachbarte Gebäude erweitert. Der museale Ausbau des ehemaligen Wohnhauses wurde von Dr. Heinrich Dräger finanziert und das Gebäude als Drägerhaus mit dem Behnhaus verbunden.

 

Sammlungsgeschichte 

Das Museum Behnhaus Drägerhaus ist Lübecks Galerie des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne. Die Sammlung beinhaltet Gemälde, Plastiken, Grafiken und Fotografien von der Romantik bis ins frühe 20. Jahrhundert – „Von Caspar David Friedrich bis Edvard Munch“ – wie der Titel der Sammlungspräsentation lautet. Die Sammlung beinhaltet unter anderem Gemälde von Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Carl Gustav Carus, dem Lübecker Friedrich Overbeck, Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt, Gotthardt Kuehl, Ernst Ludwig Kirchner, Lyonel Feininger und Edvard Munch, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Lübeck tätig war. 

 

„Mit der Wiederöffnung des Behnhauses ist eines der schönsten Museen Norddeutschlands wieder zugänglich. In der wunderbaren Architektur des nordischen Klassizismus werden die Meisterwerke von der Romantik bis zur Moderne endlich wieder zu sehen sein. Es ist ein wirklich bewegender Moment, weltberühmte Meisterwerke wie die "Die Söhne des Max Linde" von Edvard Munch wieder an ihrem angestammten Platz bewundern zu können.” 

Dr. Tilmann von Stockhausen, Leitender Direktor der LÜBECKER MUSEEN 

 

Als Museumsdirektor des damaligen Museums für Kunst- und Kulturgeschichte war Carl Georg Heise vornehmlich für die mittelalterliche Kunstsammlung verantwortlich. Durch den Erwerb des Behnhauses schuf er die Voraussetzung für die Etablierung einer Sammlung zeitgenössische Kunst, die er mit den Werken des frühen 19. und 20. Jahrhundert kombinierte. Heise stand mit namhaften Künstler:innen seiner Zeit in Kontakt, darunter Erich Heckel, Emil Nolde und Karl Schmidt-Rottluff und er konnte Werke von ihnen für das Behnhaus erwerben. Aber auch Lübecker Künstler wie Albert Aereboe oder Erich Dummer förderte er durch Ankäufe und Ausstellungen. 

Bei einer Beschlagnahmeaktion der Nationalsozialisten im Jahre 1937 gingen dem Museum über 200 Werke – unter anderem von Ernst Barlach, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Paula Modersohn-Becker und Karl Schmidt- Rottluff – verloren. Diese sind größtenteils bis heute verschollen. Nur sehr selten tauchen Werke auf dem Kunstmarkt wieder auf, die dann zurückerworben werden können. Im „neuen” Behnhaus verweisen der Blaue Salon und der Ecksalon im ersten Obergeschoss eindrücklich auf dieses dunkle Kapitel der Sammlungsgeschichte. Durch einen Screen blickt man in eine Raumflucht und sieht dort die verlorenen Gemälde. Nur eines von fünf Werken hängt im Original an gehabter Stelle. Aufgrund seines Engagements für den deutschen Expressionismus wurde Carl Georg Heise 1933 von den Nationalsozialisten entlassen, sodass die von ihm begonnene moderne Sammlungsarbeit zunächst endete. 

Eine der erfolgreichsten Ausstellungen des Hauses war 2012 die erste Ausstellung in Deutschland über den Maler Anders Zorn, dessen Kunst derzeit in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist. In seiner Eröffnungsrede erwähnte der Kurator Dr. Markus Bertsch auch die Lübecker Vorgängerausstellung. Die außergewöhnlich hohen Besucherzahlen (über 42.000) gaben damals unter anderem einen wichtigen Impuls für die stufenweise Sanierung des Museums. 

 

Die Sanierung 

Anfang 2022 wurde mit der umfangreichen Sanierung des Behnhauses begonnen. Hauptaugenmerk der weitgreifenden Sanierung waren die Aktualisierung der Museumstechnik und des Brandschutzes, die Erhöhung des Grads der Barrierefreiheit sowie die Instandhaltung der Außenfassaden. Die Planung und Bauleitung übernahm das Lübecker Architekturbüro Mai Ellinghaus. Alle Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit dem Gebäudemanagement der Hansestadt Lübeck, dem Denkmalschutz und der Museumsleitung. 

 

 „Die Sanierung eines so bedeutenden Museums erfordert neben der fachlichen Expertise in der Planung und der handwerklichen Leistung bei der Umsetzung insbesondere einen hohen Abstimmungsbedarf aller Projektbeteiligten sowie eine intensive Zusammenarbeit, die von den gemeinsamen Zielen getragen wird. Einstimmige politische Beschlüsse waren bei diesem Projekt besonders prägend und zeigten eindrücklich, dass das Projekt gesellschaftlich vollumfänglich mitgetragen wurde.“

Joanna Hagen, Senatorin Fachbereich Planen und Bauen und stellvertretende Bürgermeisterin 

 

Moderne Museum- und Haustechnik trifft auf historische Bausubstanz 

Um für die Kunstwerke ein stabiles Raumklima zu gewährleisten, war die Installation einer Fußbodenheizung in der Diele eine wichtige Maßnahme. Hierzu mussten die Sandsteinbodenplatten aufgenommen werden. Um Platz für die Heizung zu schaffen, wurde eine horizontale Schicht der massiven Steinplatten abgetragen. Die Platten wurden sorgfältig nummeriert, damit sie nach der Bearbeitung wieder den ursprünglichen Platz einnehmen konnten. Die moderne Haustechnik verschwindet unter den matten Sandsteinplatten, deren optisch weiche Sandsteinoberfläche ein prägendes Element Raumgestaltung ist. Die historischen Holzfenster genügten den Ansprüchen einer modernen Museumstechnik nicht mehr. Sie wurden fachmännisch instandgesetzt und entweder von außen oder von innen durch sogenannte Winterfenster ergänzt. Die Position der neuen Fenster mit möglichst schlanken Profilen wurde jeweils nach optischen Gesichtspunkten bestimmt. Zur Straße sind die neuen Fenster innen angebracht, um die Erscheinung der Fassade nicht zu beeinträchtigen. Aus gleichen Gründen wurden die neuen Fenster in der Diele außen installiert. Diese zeigen zur Gartenseite. Hier hatte die Wahrung des Raumeindrucks in der Diele Vorrang. Alle historischen Wohnräume wurden durch erfahrene Restaurierungsfirmen restauriert und instandgesetzt. Dies betraf Holzfenster, Wandbemalungen, textile Wandbespannungen, Tapeten und Einbauten. Für den Einbau eines Aufzugs, der das Untergeschoss und das erste Obergeschoss erschließt, wurden die Besucher-WCs und das Stuhllager im Erdgeschoss im ehemaligen Küchenhof zwischen Haupthaus und Flügel zurückgebaut. Der Boden musste um vier Meter abgegraben werden. Die nachfolgenden Erdarbeiten erfolgten in enger Zusammenarbeit mit dem Bereich Archäologie und Denkmalpflege. So erlangte die Archäologie, bevor die Baugeschichte des Gebäudeensembles Behnhaus Drägerhaus um eine neue Überbauung des ehemaligen Küchenhofs fortgeschrieben wird, neue Erkenntnisse über das Leben in den Innenhöfen der Lübecker Altstadt in vergangener Zeit. 

 

Überlagerte Spuren der Vergangenheit 

In vielen Räumen lassen sich originale Spuren der Vergangenheit entdecken. Am eindrücklichsten begegnen den Besucher: innen diesen auf dem Weg ins Untergeschoss. Schon vor dem Aufzug im Erdgeschoss drängt sich mittelalterliches Mauerwerk durch die glatt verputzen Wände. Durch ein kleines rundes Bodenfenster ist die alte Kellertreppe zu sehen, die einst in einen mittelalterlichen Gewölbekeller führte. Dieser ist zwar auch begehbar, bleibt aber ungenutzt. Im Untergeschoss ragen alte Lüftungsrohre hervor. Wandbemalung und schwere Stahltüren verweisen auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Bereits 1935 wurde im Keller des Behnhauses ein Luftschutzbunker eingerichtet. Diesen historischen Elementen direkt gegenübergestellt, erhielt das Museum im Untergeschoss hochmoderne Depoträume, die durch Glastüren einsehbar sind. Sie dienen dem Museum als Zwischendepot. Die meisten nicht ausgestellten Werke befinden sich im Außendepot der Lübecker Museen.

 

Das Architekturbüro Mai Ellinghaus 

Mai Ellinghaus wurde 2016 von Klaus Mai und Uwe Ellinghaus gegründet. Das Lübecker Architekturbüro verfügt über eine weitreichende Expertise im Planen und Bauen im Denkmalschutzkontext. Die aktuelle Sanierung betreute der Büroinhaber und Architekt Uwe Ellinghaus.
http://www.mai-ellinghaus.com 

 

„Wiederbegegnungen“ im Behnhaus 

Das seit über hundert Jahren bestehende Museum prägt die Kulturlandschaft und somit die Identität der Hansestadt Lübeck und ist vielen Menschen vertraut. Viele verbinden mit dem Haus und einzelnen Werken Erinnerungen. Das Zusammenspiel von Kunstsammlung und historischem Gebäude spielte seit den Anfängen des Museums eine wesentliche Rolle und es soll auch beim aktuellen Ausstellungsrundgang erlebbar sein. In neun Kapiteln wurde ein Rundgang angelegt, der die Besucher:innen entlang der Baugeschichte des Hauses, der über einhundertjährigen Museumsgeschichte und der eindrucksvollen Werke der Sammlung in ihrer Bedeutung und mit ihren Geschichten führt. 

 

 „Die gelungene Sanierung des Behnhauses ist für uns in gewisser Weise ein Neustart in der Arbeit mit diesem einzigartigen Baudenkmal und der großartigen Sammlung. Die Räume und die Gemälde, ihre Stimmungen und Geschichten treten nun noch direkter miteinander in einen Austausch. Wir hoffen, ‚unser Behnhaus‘ in den nächsten Jahren gemeinsam mit allen Besucherinnen und Besuchern auf diesem Weg weiterzuentwickeln. Es ist ein städtisches, öffentliches Museum und soll daher auch allen offenstehen.“ 

Dr. Alexander Bastek, Direktor des Museums Behnhaus Drägerhaus

 

 

Pressekonferenz am 29. Oktober 2025, 12:30 Uhr 

Am 29. Oktober stellen Dr. Alexander Bastek, Direktor des Museums Behnhaus Drägerhaus, in einer Pressekonferenz das „neue“ Behnhaus und dessen neu konzipierte Ausstellung vor. Bitte notieren Sie sich den Termin. Weitere Informationen folgen.

Empfang und Ausstellungseröffnung am Samstag, 1. November 2025, 18 Uhr

Mit einem festlichen Empfang für geladene Gäste ab 18 Uhr wird das Museum Behnhaus am 1. November wiedereröffnet. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Jan Lindenau und Dr. Tilmann von Stockhausen, Leitender Direktor der LÜBECKER MUSEEN, bietet Dr. Alexander Bastek, Direktor des Museums Behnhaus Drägerhaus eine Einführung zur Neugestaltung des Hauses und der Ausstellung „Von Caspar David Friedrich bis Edvard Munch“. Sofern es die räumlichen Kapazitäten erlauben, sind ab 20 Uhr alle herzlich willkommen, das Museum an diesem Abend zu besuchen. 

Aktionstag am Sonntag, 2. November 2025 

Anlässlich der Wiedereröffnung bietet das Museum am 2. November ein vielfältiges Programm mit freiem Eintritt. Neben Führungen zur Hausgeschichte und durch die neue Sammlungspräsentation stehen auch die Restaurator:innen für Fragen bereit. Zudem sind Mitmachaktionen für Erwachsene, Kinder und Familien vorgesehen. Weitere Informationen und detailliertes Programm folgen. 

 

Weitere Informationen und aktuelle Updates folgen. Besuchen Sie hierfür bitte auch unsere Webseite: https://museum-behnhaus-draegerhaus.de/ 

 

Pressekontakt: 

team K.
Anke Kraemer
anke@teamkraemer.com
0176-576 99 323
www.teamkraemer.com