Die LÜBECKER MUSEEN haben wieder geöffnet

Liebe Besucher:innen,

die LÜBECKER MUSEEN haben wieder ihre Türen für Sie geöffnet!

Für Ihren Museumsbesuch ist eine vorherige Terminvereinbarung notwendig. Dies geht ganz einfach spontan durch unsere Mitarbeitenden an der Museumskasse vor Ort oder telefonisch beim Museum Ihrer Wahl .

Zu Ihrer eigenen Sicherheit findet eine Kontaktdatenerfassung statt. Dafür nutzen wir die Luca-App. Ihre Kontaktdaten können Sie direkt in die App hochladen, oder Sie füllen einfach händisch unseren Kontaktbogen an der Museumskasse aus. 

Beachten Sie bitte auch die dafür notwendigen Hygiene- und Sicherheitsbedingungen.

schliessen

Neue Crossover-Ausstellung im Museumsquartier St. Annen: Zwischen den Zeilen. Die Kunst von Alice Teichert im Dialog mit dem Mittelalter

Laufzeit: 18. Juni bis 15. Oktober 2017

Pressemitteilung als PDF

Pressemitteilung vom 16.06.2017
In der Kunst Alice Teicherts geht es um das universelle und intuitive Verstehen. Ihre Bilder besitzen eine unendliche Tiefe, große Leuchtkraft und eine unmittelbare Verbindung zur Musik: Vom 18. Juni bis zum 15. Oktober sind im Museumsquartier St. Annen in Lübeck rund 65 Werke der kanadischen Künstlerin mit europäischen Wurzeln zu sehen. Ihre Arbeiten korrespondieren mit 19 kostbaren und sehr selten gezeigten Handschriften des Archivs und der Stadtbibliothek Lübeck sowie mit den Altären des St. Annen-Museums. Die Ausstellung ist zugleich die erste große Retrospektive in Europa. Die Malerin hat sich von jeher intensiv mit der alten Kunst auseinandergesetzt und sich von ihr inspirieren lassen.

„Ich danke der neuen Leiterin des St. Annen-Museums dafür, dass Sie diese Crossover-Ausstellung kuratiert und damit erstmals die zentrale Idee des Museumsquartiers in die Tat umgesetzt hat: die Einheit von Ausstellung und Ort. Dagmar Täube verschränkt die moderne Kunsthalle mit den alten Klosterräumen und bringt so Modernes und Mittelalterliches auf reizvolle und beeindruckende Weise zusammen“, betonte Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen.

Mit Linien, Formen und Farben lässt Alice Teichert eine Welt entstehen, die auf den ersten Blick scheinbar leicht verständlich ist. Bei genauerem Hinsehen jedoch entfaltet sich eine vielschichtige Welt, der sie immer wieder neue Formen verleiht. Dabei begibt sie sich in sprach- und gegenstandslose Sphären, um tiefer in das Sujet, die Bildsprache, die Schrift, die Zeichen und die Farbe einzudringen und sie zu erforschen. „Die Ausstellung zeigt auf besondere Weise, dass die Begriffe gegenständlich und abstrakt ebenso fragwürdig sind wie die Kategorisierung von alter und zeitgenössischer Kunst“, erklärte Dr. Dagmar Täube, die Leiterin des St. Annen-Museums. Bei Alice Teichert geht es darum, die Kunst lesen zu lernen und zwar mit Mitteln des universellen Verstehens, abseits von Bild-, Sprach- und Kommunikationscodes, von Verstand und Wissen. Es geht um das Erspüren von Inhalten, bevor ein Gedanke in Worten erfassbar wird.

Alice Teichert lehrt uns die Bildhaftigkeit der Sprache und die Bedeutung der Räume dazwischen. Das, was sprichwörtlich „zwischen den Zeilen“ geschieht, ist für sie von besonderem Interesse: Sie macht die Stille zwischen den Zeichen sichtbar, aber auch die Zwischentöne, die für jede Art von Kommunikation wesentlich sind. Diese Annäherung geschieht auf empirischem Wege ebenso wie auf philosophischer oder naturwissenschaftlicher Basis. Stets bezieht sie die Erfahrungen ihres täglichen Lebens in die Entwicklung ihrer Kunst und in ein neues Bewusstsein ein. Das Gehirn wird zu einem Erinnerungsspeicher unendlicher Sinneseindrücke und von Gedankenschichten, die in visuelle Poesie übersetzt werden. Wie lässt sich aber nun diese Theorie konkret in ihren Werken fassen? Welche Schritte ist sie gegangen und wohin wird die Reise gehen? Die Ausstellung wirft einen Blick auf ihre Werke und erfasst gleichermaßen ihre Vielfalt wie ihre Einheit. Denn wie auch immer Alice Teichert sich künstlerisch äußert, sei es in graphischen Arbeiten, in der Malerei, in der Poesie oder in Installationen, es geht stets um die Annäherung an das nicht körperlich Fassbare, das uns dennoch maßgeblich leitet und in Bewegung bringt.

Dabei setzt sie sich auch seit jeher intensiv mit alter Kunst auseinander und lässt sich von ihr inspirieren. Vor allem die mittelalterliche Buchmalerei ist für sie spannend. Sie studierte eingehend den Aufbau alter Handschriften ebenso wie ihre Bedeutungsebenen und die Liebe der Buchmaler und -schreiber zum Detail. So werden aufwändige Initialmalereien wie beispielsweise in Evangeliaren für sie ebenso zur visuellen Poesie, wie die für uns zum Teil heute nicht mehr lesbaren alten Minuskeln. Auch die Aufteilung einer Bild- und einer Textseite, wie wir sie etwa aus Stundenbüchern des 15. Jahrhunderts kennen, findet der Betrachter in ihren “Buch-Malereien“ wieder. Alice Teichert lädt sie jedoch mit einem vollkommen eigenen Bedeutungsgehalt auf und tritt so in einen spannenden Dialog mit den alten Handschriften. Gerade in der direkten Zusammenschau wird die enge Korrespondenz zwischen den alten Handschriften einerseits und ihren Bildern und Graphiken andererseits deutlich. Auch ihre enge Beziehung zur Musik und der Notenschrift lässt sich hier ablesen.

Und schließlich lässt sich eine weitere Parallele finden, von der die Künstlerin immer wieder fasziniert ist: den zahlreichen Buchdarstellungen in der alten Kunst. Auch auf vielen Altären des St. Annen-Museums findet man geöffnete Bücher in den Händen der Figuren. Sie zeigen scheinbar Schriftzeichen und Texte, die aber zumeist ebenso wenig lesbar und entzifferbar sind wie jene von Alice Teicherts „Schriftzeichen“, die zu einem ihrer Markenzeichen geworden sind. Hier wie dort versteht man erst, wenn man aufhört „entziffern“ zu wollen. So wird in dieser Crossover-Ausstellung deutlich, dass auch zeitgenössische Kunst nicht isoliert geschaffen wird, sondern in einem Kontext steht. Alice Teichert lässt sich von unseren kulturellen Wurzeln inspirieren und zeigt uns, wie aktuell diese sein können.

Begleitprogramm

Donnerstag, 22.06.2017 | 15.30 Uhr
Öffentliche Führung
Museumsleiterin Dr. Dagmar Täube führt durch die Ausstellung

Freitag, 07.07.2017 | 15.30 Uhr
Öffentliche Führung
Gallery Talk mit der Künstlerin Alice Teichert

Samstag, 08.07.2017 | 19 Uhr
Konzert: s’pos)in(
Studierende der Musikhochschule Lübeck interpretieren grafische Partituren von Alice Teichert, Cornelius Cardew, John Cage u.a. Leitung: Prof. Johannes Fischer und Prof. Rico Gubler
Preis: 11 Euro

Donnerstag, 13.07.2017 | 15.30 Uhr
Öffentliche Führung
Museumsleiterin Dr. Dagmar Täube führt durch die Ausstellung
Preis: 4 Euro, zzgl. Eintritt

Samstag, 15.07.2017 | 15 Uhr
Öffentliche Führung: MuseumsMomente
LEUCHTEND – Die Geheimnisse der Farben
mit Annette Klockmann
Preis: 4 Euro, zzgl. Eintritt

Samstag, 16.09.2017| 15 Uhr
Öffentliche Führung: MuseumsMomente
Buchstäblich – Kunstvoller Zusammenklang von Wort und Bild im Mittelalter
mit Annette Klockmann
Preis: 4 Euro, zzgl. Eintritt

Donnerstag, 21.09.2017 | 15.30 Uhr
Öffentliche Führung
Mittelalterliche Handschriften im Dialog mit zeitgenössischer Kunst
Museumsleiterin Dr. Dagmar Täube führt durch die Ausstellung

Sonntag, 08.10.2017 | 11.30 Uhr
Öffentlicher Workshop für Jugendliche und Erwachsene: Buchgeflüster
mit Annette Klockmann
Preis: 8 Euro, zzgl. Eintritt

Samstag, 14.10.2017 | 15 Uhr
Öffentliche Führung: MuseumsMomente
LEUCHTEND – Die Geheimnisse der Farben
mit Annette Klockmann
Preis: 4 Euro, zzgl. Eintritt

Sonntag, 15.10.2017 | 11.00 Uhr
Öffentliche Führung
Museumsleiterin Dr. Dagmar Täube führt durch die Ausstellung

Katalog / Begleitheft
Zur Ausstellung erscheinen die Monographie In)Formation. Zur Philosophie und Kunst von Alice Teichert (144 Seiten, deutsch/englisch) und das Begleitheft Zwischen den Zeilen. Die Kunst von Alice Teichert im Dialog mit dem Mittelalter (32 Seiten), das den Bogen zu den mittelalterlichen Exponaten dieser Crossover-Ausstellung schlägt. Die Publikationen können im Museumsshop erworben werden.

Workshops
Im Rahmen der Ausstellung werden verschiedene Workshops angeboten.

Für Kindergärten und Grundschulen: Wir malen Musik.
Kann man Musik sehen? Haben Bilder eine Melodie? Wir beschäftigen uns mit Takt und Rhythmus. Im Anschluss haben wir Gelegenheit, Musik zu hören und sie über unsere Handbewegung in Malerei zu übertragen. So erzeugen wir Spuren und machen das Unsichtbare sichtbar.

Für Schülergruppen der Sekundarstufe II: Erlebnisräume
Was haben zeitgenössische Malerei und mittelalterliche Buchkunst gemeinsam? In einem Museumsgespräch diskutieren wir neben Form und Inhalt auch funktionale Aspekte.

Für Jugendliche und Erwachsene: Buchgeflüster
Das universelle Verstehen, das regelrechte Erspüren von Inhalten stehen hier im Vordergrund. Bei der Gestaltung eines eigenen Buches werden solche Sinneseindrücke zum Ausgangspunkt.

Informationen zu den Workshops und Buchung unter: Telefon 0451-122 4273 (Lisa Warnke) oder: lisa.warnke@luebeck.de.  

 

Die Bilder sind unter Angabe der Copyrights zur Veröffentlichung im Rahmen der Berichterstattung zur Veranstaltung freigegeben:

twinsetduo, (c) Archiv Alice Teichert
byair, (c) Archiv Alice Teichert
centralequation, (c) Archiv Alice Teichert
context, (c) Archiv Alice Teichert
simplerequest, (c) Archiv Alice Teichert
landing, (c) Archiv Alice Teichert
in_formation, (c) Archiv Alice Teichert